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Mittwoch, 3. Januar 2018, 17:51

Saccotomie

Hallo zusammen bei mir wurde auch MM diagnostiziert mich würde interessieren ob sich hier jemand einer Saccotomie unterzogen hat und wie der zustand nach der Operation ist. Da mein HNO Arzt mir diese Alternative in ferner Zukunft angeraten hat falls die schwindelafälle unter Betahistin nicht besser werden

Kiloherz

Fortgeschrittener

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2

Donnerstag, 4. Januar 2018, 21:56

Servus Sabrolf,
Kurze Frage, lange Antwort
Eingriffe am endolymphatischen Sack – die Sakkotomie
Bei
allen Unklarheiten scheint der Saccus endolymphaticus dafür
verantwortlich zu sein, dass die Endolymphe nicht genügend ausgeschleust
werden kann. Die Sakkotomie hat die Druckentlastung des
endolymphatischen Hydrops zum Ziel. Der Saccus endolymphaticus ist
chirurgisch hinter dem Ohr erreichbar. Dazu müssen die Operateure
zunächst den sog. Warzenfortsatz (Mastoid) ausräumen, um von dort aus
nahe an das Labyrinth heranzukommen. In der hinteren Schädelgrube wird
dann die Hirnhaut freigelegt und der Sakkus meist relativ weit vorne
gefunden. Während die Leitlinien der nun federführenden "Deutschen
Neurologischen Gesellschaft (2008)" diesen Eingriff als "obsolet"
einstufen, propagieren vor allem operativ tätige HNO Ärzte auf die
Wirksamkeit - wohl auch mit der Idee, das Gehör nicht zu schädigen, wenn
die Operation gut verläuft (Ernst 2011, Baier und Ott 2008).

Betahistine
Kaum jemand mit einem
schwankenden Hörvermögen oder einem Verdacht auf M. Menière wird an
einem Präparat aus der Gruppe der "Betahistine" vorbeikommen. Der
Hinweis auf das Medikament ziert Ohrenplakate in Praxen und Kliniken,
die Abreißlinie von Rezeptblöcken und vieles mehr, die
Auseinandersetzung um die Wirksamkeit des Medikaments ähnelt der
Diskussion, ob sich die Sonne um die Erde dreht oder die Erde um die
Sonne. Betahistine bzw. Betahistindimesilat sind dem Histamin verwandt.
Dies sind Gewebshormone, die die Blutgefäße erweitern, aber auch
verengen können. Im Jahr 1972 konnte unter experimentellen Bedingungen
bei Tieren gezeigt werden, dass Betahistin die Durchblutung innerhalb
der Schnecke verstärkt (Martinez 1972). Beim Menschen konnte die
bisherige Dosierung keinen Erfolg hinsichtlich der Häufigkeit und
Schwere der Anfälle verzeichnen. Zudem stellt Paparella (1991) fest: "Es
ist extrem zweifelhaft, dass irgend ein sog. gefäßerweiterndes
Medikament im Labyrinth signifikant den Blutfluss im Innenohr
beeinflusst." Morgenstern (1994) kommentiert: "Selbst wenn man eine
Durchblutungssteigerung erreichen könnte, wäre eine Beeinflussung des
endolymphatischen Hydrops nur schwer vorstellbar." In einem Update der
Cochrane Vereinigung halten James u. Burton (2011) zu Betahistin fest:
Während das Medikament bei denen, die es verschreiben, sehr beliebt ist,
zeigt sich bei der Durchsicht der von der Untersuchergruppe
akzeptierten sieben Studien mit 243 Patienten kein Beleg dafür, dass es
hilft.
"While the drug
is very acceptable to those who use it, the review of trials did not
find enough evidence to show whether it is helpful. No trial met the
highest quality standard set by the review because of inadequate
diagnostic criteria or methods, and none assessed the effect of
betahistine on vertigo adequately (James u. Burton (2011))"

Die
meisten - in Auftrag gegebenen - Studien kommen zwar zu freundlichen
Ergebnissen, sind aber nicht aussagekräftig. Eine Studie, die eine gute
Methodik aufweist, zeigt, dass kein Einfluss auf den Tinnitus genommen
werden kann. Keine Studie zeigte Einfluss auf den Hörverlust. Nun hängt
die Wirksamkeit eines Medikamentes auch von der Menge (Dosis) ab.
Darüber hinaus wirkt so manches Medikament (z.B. Betablocker bei der
Migräne), obwohl der genaue Wirkmechanismus nur vermutet werden kann.
Dementsprechend ist es verständlich, wenn weitere Studien unternommen
werden, wie etwa die unter der Federführung der Münchner Arbeitsgruppe
um Strupp (2008), die eine höhere und längere Gabe von Betahistin
untersuchen wollen. Ungünstig ist nur, dass die groß angelegte und mit
einigem Forschungsgeld unterstützte Studie neben den von den Autoren
eingeräumten Beschränkungen das Problem aufweist, dass nicht (sicher)
zwischen einer Reduktion der Menièreanfälle und dem - zumindest häufig
auftretenden psychogenen Schwindelgefühl unterschieden werden kann.
Dennoch propagieren sie schon in der Vorphase und den von den Neurologen
gestalteten Leitlinien zu M. Menière, dass eine höhere Dosis mehr wirkt
(ausführlich s. www.drhschaaf.de/Anmerkungen zur Betahistin
Studie.pdf). Insgesamt liegt die Vermutung nahe, dass Betahistine die
Hoffnungen der Patienten und der Behandler - insbesondere bei
psychogenen Komponenten - mehr beeinflusst haben als das Medikament die
Menière-Krankheit. So sind viele Behandler froh, dass sie dem
verzweifelten Patienten mit so viel Sicherheit ein Medikament in die
Hand drücken können, das zumindest keine ernsthaften Schäden zu zeigen
scheint. Das ist verständlich, aber nicht rational. Rational gesehen
gilt das für alle Medikamente, die den M. Menière über eine verbesserte
Durchblutung beeinflussen sollen.

Quelle:https://www.kimm-ev.de/Was-ist-sinnvoll-…_vortrag.0.html

Eine Seite, die ich dir zeigen will. Da kannst du einige Fragen beantwortet bekommen...
Schwindelfreie Grüße
Michael

3

Freitag, 5. Januar 2018, 07:54

Danke für deine ausführliche Antwort

Kiloherz

Fortgeschrittener

  • »Kiloherz« ist männlich

Beiträge: 24

Wohnort: Niederösterreich

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4

Freitag, 5. Januar 2018, 14:33

Bitte, gerne geschehen.
Falls irgend welche weitere Unklarheiten auftauchen, einfach fragen...
Hier gibt es einige mit sehr viel Erfahrung mit MM.
lg
Michael

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