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Dienstag, 21. November 2017, 15:32

In geschl. Räumen mit vielen Personen verstehe ich gar nichts mehr, kennt ihr das auch?

Servus, ich habs schon mal geschrieben, auch mich plagt der Tinnitus (ein sehr hohes durchdringendes Pfeifen hinter beiden Ohren). Teilweise schaff ichs, diesen Teufel zu kompensieren, teilweise gehts auch nicht. Das Kompensieren kostet Kraft, die ich manchmal nicht zur Verfügung habe. Aber ihr kennt das ja, ich versuche, damit zu leben. Auch das geht meistens, manchmal gehts halt nicht.... :wacko:

Eines beschäftigt mich aber und hier würde ich mich über einen Erfahrungsaustausch freuen:
Grundsätzlich höre ich trotz Tinnitus sehr gut. Je nach körperlicher Verfassung kann ich mich auch größerer Lautstärke, wie zum Beispiel einem klassischen Konzert aussetzen und selbiges sehr geniessen.
Eines geht aber auch bei bester moralischer und körperlicher Verfassung überhaupt nicht, ich kann keiner Feierlichkeit oder ähnlichem beiwohnen, die in geschlossenen Räumlichkeiten mit vielen Gästen stattfindet. Die nun so langsam beginnenden Weihnachtsfeiern sind ein gutes Beispiel. Grund ist, ich verstehe die einzelnen Personen kaum bis gar nicht. Für mich ist alles nur ein dumpfes, sehr lautes Grummeln und Gemurmel. Die hierbei erforderliche Konzentration ist enorm, ich stehe dabei unter Stress.
Wie gesagt, eigentlich höre ich sehr gut, aber da verstehe ich einfach nichts und es ist einfach nur laut.
Kennt ihr das auch?

2

Donnerstag, 23. November 2017, 17:26

Hallo Dingsda,

ja, das schlechte Hören verstärkt sich bei vielen Nebengeräuschen bei mir. Ich halte das nicht lange aus, weil es zu anstrengend ist.
Da muss ich wegen der vielen Nebengeräusche auch oft mein Hörgerät ausschalten.

Das ist ein Prozess der Verarbeitung und Sortierung, der nicht mehr so gut im Gehirn funktioniert. Die Nebengeräusche werden nicht rausgefiltert, so dass man sich auf das Wesentliche, die Gespräche, konzentrieren kann.

LG Edeltraud

3

Sonntag, 10. Dezember 2017, 10:07

Mir geht es auch so. In geschlossenen Räumen mit Umgebungs-/Nebengeräuschen fallen mir Gespräche schwerer und diese sind dann auch anstrengend. Im Freien oder ohne zu viele Nebengeräusche habe ich da keine Probleme und höre gut / normal. Wobei das bezüglich Tinnitus (Pfeifen und Brummen) auch Tagesform abhängig ist.

4

Dienstag, 9. Januar 2018, 16:00

Die Tagesform ist natürlich entscheidend, es kostet ja viel Kraft, diesen Teufel "auf Distanz" zu halten.
Ich denke, Edeltraud hat recht:
Wenn ich so nachdenke, dann glaube ich, dass es mit der eigentlich sehr positiven Kompensation des Tinnitus zu tun haben könnte. Ich habe mich im Lauf der Jahre leidlich bis gut an mein Geräusch, oder besser an das Verdrängen meines Geräusches gewohnt. Das nennt man wohl Kompensation. Ich blende dabei aber nicht nur mein Pfeifen im Kopf, sondern wenns mir danach ist, auch so ziemlich alle anderen (unwichtigen) Nebengeräusche, die gerade vorhanden sind, aus. Ich vermute, ich schalte meinen Hörsinn da irgendwie ab. Ich höre zwar, aber es kommt irgendwie nicht im Hirn an. Das funktioniert sowohl bei gemäßigter als auch bei stärkerer Lautstärke in meiner näheren Umgebung recht gut. Besonders wenn ich körperlich beschäftigt bin. Bei absoluter Stille (und geistiger Beschäftigung) funktioniert es dagegen weniger, da kann ich den Teufel nur sehr schlecht verdrängen...
Wenn ich positiver Lautstärke ausgesetzt bin und dabei aufmerksam nur einer Geräuschquelle lauschen muss, so wie bei einem Konzertbesuch, habe ich keine Probleme mit dem Hören. Das Pfeifen dränge ich hinter die Musik.
Ich kann mich in ruhiger Umgebung auch an einem Gespräch mit einer größeren Zahl von Personen beteiligen, wenn nicht alle gleichzeitig quatschen. Auch da kann ich das Pfeifen hinter das Geräusch der Stimmen verdrängen.
Wenn ich aber in einer lauten Umgebung (Lokal) bin, in der ich aufmerksam einem oder mehreren Gesprächspartnern zuhören muss, den vorhandenen Hintergrundlärm (Stimmensalat), dessen Frequenzen denen der Einzelgeräusche (Stimme im Gespräch) normalerweise ähnlich sind, dagegen verdrängen muss, funktioniert dieses erlernte System nicht. Es behindert im Gegenteil sogar mein Hören. Da ich den Lärm als unangenehm empfinde, schaltet mein Hörsinn wie gewohnt auf "Durchzug", da ich aber verstehen will, was gesagt wird, muß ich mich stärker konzentrieren, um zu hören. Dann höre ich zuallererst mal mein Pfeifen. Das versuche ich, in den Hintergrund zu verdammen, um nur das Wichtige zu verstehen....Die Überlagerung der Stimmen-Frequenzen tut dann das ihrige und das wars dann.
Ich glaube, was danach folgt, kann man als eine Art "Systemkollaps" bezeichnen, weil das erlernte Programm (mein erlerntes Programm) zur Tinnitus-Kompensation diese ganzen Anforderungen gleichzeitig nicht erfüllen kann.
Das ist meine Theorie.